Rezension: Herkules, Goliath & Co. – Die Schienenkrane der deutschen Eisenbahnen (Udo Kandler, EK-Verlag)
Der Name des Autors Udo Kandler bürgt für Qualität,- und der Leser wird auch diesmal nicht enttäuscht. Dies ist ein „Bilderbuch“ im Format ca. 20 x 30 cm, mit fach- und sachkundigen Texten und hervorragenden Fotos.
Die ersten 3 Kapitel geben einen geschichtlichen Abriss über die Konstruktion und den Einsatz von Kranen auf deutschen Schienen,- von den Anfängen der Eisenbahn bis zum Auslaufen der Deutschen Bundesbahn, dem Verkauf und dem Betrieb von Kranen durch private Unternehmen. Obwohl in erster Linie ein Bildband so informiert dieses Buch doch auch ausführlich durch seine Texte: Über Hersteller, über Typen von Kranen, über ihre Leistungen und Einsatz-Möglichkeiten, über die technische Entwicklung und Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit und über ihre Besonderheiten (z. B. Brückenbau-Krane mit verschiebbarem Oberwagen). Die Texte sind verständlich und flüssig geschrieben,- auch wenn das Wort „spannend“ zur Zeit oft inflationär verwendet wird: Die Texte von Udo Kandler sind für den Eisenbahnfreund und den Interessenten an der Thematik wahrlich spannend zu lesen. Faszinierend für den Leser sind die sukzessive Steigerung der Leistungsfähigkeit, der Wandel der Antriebstechnik sowie die Spezialisierung,- das Kapitel 3 „Die große Zeit der Eisenbahnkrane bei der Deutschen Bundesbahn“ dokumentiert dies auf fast 50 Seiten in Text und Bild.
Besonders hilfreich sind die Fotos und Schemazeichnungen des 4. Kapitels: Hier werden auf fast 30 Seiten die wichtigsten Krane im Überblick präsentiert („Typenauswahl“). Dass die DDR-Industrie auch etwas „zu bieten“ hatte, zeigt das 5. Kapitel in Text und Bild sowie mit den Zeichnungen und der Tabelle auf S. 113; „die Kreation des EDK 2000“ (S.117), der mit seiner Traglast von 250 t hauptsächlich in die Staaten des damaligen Ostblocks exportiert wurde, ist bemerkenswert. Aber auch „Spezialisten“ finden einen Platz in diesem Buch: „Helfer im Gleis- und Weichenbau“ (Kap. 6), „Bekohlungskrane“ (Kap. 7) sowie aktuell „Die Kranwagen der DB Netz Notfalltechnik“ (Kap, 8) vervollständigen die Dokumentation. Zu jedem dieser Kapitel gehört ein kurzer Textteil, der die Grundlage bildet für die folgende intensive Betrachtung der Fotos.
Bis auf das Kapitel über die DB Notfalltechnik sowie ca. 10 Seiten „Kranwagen in Farbe“ am Ende des Buches sind alle Fotos in Schwarz-Weiß gehalten,- ganzseitig, halbseitig, nur einige wenige etwas kleiner, und immer in bester Qualität. Bis auf das 4. Kapitel („Typenauswahl“) zeigen die Abbildungen Schienenkrane in Aktion, bei ihrem alltäglichen Einsatz; die Fotos sind ausnahmslos eine wahre Fundgrube für die Technik-„Freaks“, für die Freunde historischer Eisenbahnmotive sowie für diejenigen Betrachter, die sich an speziellen Fahrzeugen wie Straßenroller und Zugmaschinen sowie an historischen Bahngebäuden und Stadtansichten erfreuen. Und immer wieder sind die Bahnler dabei (DB und DR),- hier arbeiten Menschen und Maschinen „Hand in Hand“ und vermitteln ein authentisches Bild der (vergangenen) Zeit. Bildtexte sind sehr ausführlich und geben eine Fülle an Informationen über das Wo, Wann, Wozu, die Hintergründe sowie über die fotografierten Krane.
Dieser Bildband dokumentiert umfassend und eindrucksvoll die „große“ Epoche der Einsätze von Schienenkranen der deutschen Eisenbahn (DR und DB) und sollte in keiner Bibliothek eines „wahren“ Eisenbahnfreundes fehlen.
Rezension von Peter Höhbusch
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