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Rezension: Eisenbahnchronik Bergisches Land
Band 1: Strecken und Bahnbetriebswerke

Am 1. September 2018 werden 150 Jahre vergangen sein, dass der erste Zug vom heutigen Wuppertal aus Remscheid im Bergischen Land erreichte. Mit der Bahn stieg Remscheids Bedeutung rasant - nach Berlin lag die Stadt beim Export über dem Hamburger Hafen gar an zweiter Stelle, was ihr den Beinamen "Die Seestadt auf dem Berge" einbrachte. Die örtlichen Industriebetriebe nutzten eifrig die Bahn, es entstand eine Vielzahl von Anschlussbahnen, die teilweise bis heute für Frachtaufkommen sorgen.
Mit dem Bau der bekannten Müngstener Brücke erhielt Remscheid 1897 eine direkte Verbindung zum Rhein. Sie war die erste, im freien Vorbau errichtete Stahlkonstruktion und ist immer noch die höchste deutsche Eisenbahnbrücke.
Aus dem Durchgangsbahnhof Lennep wurde durch den Bau neuer Strecken nach Wipperfürth und weiter nach Marienheide, nach Opladen und ins Tal der Wupper nach Radevormwald bald ein bedeutender Knotenbahnhof im mittelbergischen Land. Hier entstanden ein großes Bahnbetriebswerk mit zwei Lokschuppen und ein Bahnbetriebswagenwerk. Das Bw Lennep beheimatete überwiegend preußische Dampflok-Baureihen, schon vor dem Ersten Weltkrieg erhielt es aber auch Akku-Triebwagen. Zur Reichsbahnzeit waren hier sogar die ersten beiden Lokomotiven der neuen Baureihe 62 beheimatet.
Neben den später vom Staat betriebenen Normalspurbahnen gab es zwei private Schmalspurbahnen zur Erschließung der Gewerbebetriebe in den Tälern des Eschbachs und des Morsbachs, die bis zum Ersten Weltkrieg auf eine beträchtliche Größe anwuchsen. Zusätzlich entstand in Remscheid noch eine Straßenbahn, die mit knapp 10% Neigung zu den steilsten adhäsionsbetriebenen Bahnen ihrer Art in Deutschland gehörte. Mit den benachbarten Betrieben ergab sich ein Liniennetz bis ins Ruhrgebiet, das in der Kriegszeit sogar zum Kohlentransport genutzt wurde.
EK-Autor Zeno Pillmann zeigt in seiner umfassenden Gesamtdarstellung die spannende Geschichte des Schienenverkehrs im Bergischen Städtedreieck Wuppertal - Remscheid - Solingen.



Rezension: Eisenbahnchronik Bergisches Land, Band 1: Strecken und Bahnbetriebswerke

Ein gewichtiges Buch, keine leichte Reiselektüre für die Jackentasche während einer Bahnfahrt; um dieses Buch zu lesen, durchzuarbeiten, bedarf es Zeit und Ruhe sowie Konzentration und Kraft zur Aufnahme aller Fakten. Die Informationsdichte und -menge ist schon erheblich, der Schriftsatz ist eng mit durchweg kleinen Buchstaben;  hier kann der Leser eine Menge Interessantes und sicherlich Neues über die Eisenbahngeschichte des Bergischen Landes erfahren.
Die ersten Blicke in dieses Buch: Im Vorsatz eine Streckenkarte von 1946, sehr hilfreich und wichtig für den Leser bei der folgenden „Arbeit“. Und dann das Inhaltsverzeichnis: 5 ½ Halbseiten für eine außergewöhnlich detaillierte Untergliederung (z. B. „3.7.1.3.4“) – da muss der Leser genau aufpassen, um den Überblick zu behalten! Schaut man sich die einzelnen Kapitel- und Abschnitts-Überschriften hinter den Ziffern an, erkennt man sofort den Grund (und wohl auch die Absicht des Verfassers): Hier wird akribisch jeder noch so kleine Bahnhof, jede noch so untergeordnete Strecke, jede noch so regionale und (bei den Straßenbahnen) innerörtliche Bahn thematisiert. Die Darstellung erschöpft sich jedoch nicht in der Beschreibung der historischen Fakten,  sondern schließt Planungen, beginnende Industrialisierung und ihre immense wirtschaftliche Bedeutung für diese Region, politische „Bremser“ und „Beschleuniger“, Bau und Erweiterung von Bahnstrecken sowie deren Ausstattung und Linienführung, Sill-Legungen, Entwicklung  von Bahnhöfen sowie Betriebswerken ein.
Kapitel 2 „Geographie, Besiedlung und Gewerbe, erste Eisenbahnen“ sowie die ersten 7 Teilabschnitte von Kapitel 3 „Haupt- und Nebenbahnen“ mit einem Überblick über die Eigentumsverhältnisse  von den Anfängen der Eisenbahn bis zum Ende der Deutschen Bundesbahn bieten eine kurze, aber sehr informative Basis für die weiteren detaillierten regionalen Darlegungen auf den darauf folgenden fast 300 Seiten. Der mit dieser Region vertraute Leser ist nun in der Lage, mit Hilfe der Inhaltsverzeichnisses „seinen“ Ort, „seine“ Strecke, „seinen“ Bahnhof zu finden und sich gezielt zu informieren,- aus der Sicht des  Rezensenten eine hervorragende und durchdachte Sache.
Trotz der Informationsdichte und der für den Leser etwas anstrengenden  Lese-Arbeit  wegen des kleingedruckten Textes  lesen sich die einzelnen Abschnitte flüssig im Sinne eines Geschichtsbuches,- das Wort „spannend“ wird aus der Sicht des Rezensenten heute oft zu „inflationär“ verwendet, ist aber hier durchaus zutreffend! Die im Text beschriebenen jeweiligen Gegebenheiten vor Ort werden hervorragend ergänzt durch Detailkarten von Bahnstrecken, durch Gleispläne sowie durch Fotos von Zügen, Straßenbahnen, Bahnhöfen, Bahngebäuden und historischen Stadtansichten. Die Fotos sind ausnahmslos in Schwarz-Weiß, von Postkarten-Größe bis zu halbseitigem Format. Der Verfasser hat sich mit seiner ausführlichen Textarbeit nicht zufrieden gegeben, sondern bietet zu jedem Foto, zu jeder Tabelle und zu jeder Streckenkarte historische Hinweise und weitere  Informationen zu Zeit, Ort, Art des Geschehens, zu Zügen und Fahrzeugen und leitet / lenkt auf diese Weise  die Blickrichtung des Betrachters auf bedeutsame Einzelheiten.
Ein Schwerpunkt dieses Buches sollte hervorgehoben werden,- das Kapitel 3.6 über die Müngstener Brücke. Hier beschreibt der Verfasser den Weg und die Verfahren von der Ausschreibung Ende der 1880er Jahre bis hin zu Sanierungsmaßnahmen in jüngster Zeit, äußerst anschaulich begleitet von Zeichnungen, Zahlenmaterial, Fotos von der Herstellung der eisernen Konstruktionen durch die Industrie und deren Zusammenbau vor Ort bis hin zur heutigen Wartung,- wahrlich ein spannendes Kapitel!

„Eisenbahnchronik des Bergischen Landes“  Band 1 ist eine hervorragend gelungene Dokumentation der Strecken und Bahnbetriebswerke in dieser Region und weckt Vorfreude auf Band 2, der  den Betrieb auf den einzelnen Strecken beinhalten  wird.  Sehr empfehlenswert!


Telemediengesetz (§6 Abs.1 Nr.1 TMG) - Hinweis:
Diese Rezension stellt der freie Journalist Peter Höhbusch für Eisenbahn-Europa kostenfrei zur Verfügung. Titelbild und Inhaltsbeschreibung sind vom jeweigen Verlag unentgeltlich bereitgestellt.

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