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Wer sich wie der Rezensent intensiv mit der Geschichte Tirols und speziell Südtirols der letzten 100 Jahre befasst hat und regelmäßig diese Region bereist, für den ist diese Veröffentlichung eine weitere wichtige historische Quelle. Wer, wie (leider) eine ganze Reihe unserer Mitbürger, nichts oder nur sehr wenig über die Ereignisse und Gegebenheiten in Tirol und Südtirol weiß, erhält durch dieses Buch – auch wenn für ihn die Eisenbahn das Wichtigste ist – Anregung (vielleicht auch Aufforderung), sich intensiver mit der Historie dieses Landes (dieser Teil-Länder) Tirol zu befassen.
Dies ist wahrlich ein Eisenbahn-Geschichtsbuch, politisch „angehaucht“; es führt den Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Das Inhaltsverzeichnis folgt in überschaubaren Schritten der historischen und technischen Entwicklung von Brenner- und Pustertalbahn, beginnt mit den ersten Gedanken und Planungen in Österreich und schreitet abschnittsweise – der technischen (und politischen) Entwicklung folgend – voran und kulminiert dann im „Zeitalter neuer Alpenüberquerungen“ (Überschrift des Nachwortes) beim Brenner-Basis-Tunnel, in einer Region, die eigentlich ein mustergültiges Beispiel für europäische Zusammenarbeit darstellt.
Jedes Teilkapitel beginnt mit einem kurzen und komprimierten, aber sehr gut lesbaren und informativen Text über die im folgenden Bildteil optisch dargestellte Epoche. Der Verfasser hat – sicherlich begünstigt durch seine sehr guten Kontakte – eine hervorragende Bildauswahl getroffen, die den Leser wahrlich in die Vergangenheit eintauchen lässt. Die historischen Fotos aus den 1850er und 1860er Jahren zeichnen ein höchst eindrucksvolles Bild der Innovationskraft von Ingenieuren und der Schaffenskraft (der meist handwerklichen Schinderei) der Arbeitskräfte, und dies alles in einem Zeitrahmen, der angesichts der heutigen Dauer beim Bau von Großprojekten schieres Staunen weckt.
Der Eisenbahnfreund sollte sich heute bei seiner Fahrt von Süd- nach Nordtirol oder umgekehrt des Kraftfahrzeuges bedienen, um von der Staatsstraße auf beiden Seiten des Brenners die Trassenführung eingehend betrachten zu können, ehe er die Strecke in umgekehrter Richtung mit der Bahn genießt. Wenngleich auch die Pustertalbahn weitaus weniger spektakulär verläuft, sei die gleiche „Annäherung“ empfohlen,- bei beiden Strecken mit diesem Buch als Begleiter, um historische Bahngebäude und markante Punkte in der Landschaft zu entdecken und zu lokalisieren.
Wer sich für Loks und Triebwagen sowie Personen- und Güterwagen älterer und moderner Bauarten interessiert, für den ist dieses historische Bilderbuch eine wahre Fundgrube; der Rezensent erfreut sich an „anachronistischen“ (Seite 53) und wie „aus einer anderen Zeit stammenden“ (Seite 67) Drehstrom-Lokomotiven der FS, ebenso an den in den 1960er und 1970er Jahren hochmodernen FS – Triebwagen ALn 442/448 und erinnert sich an seinen Besuch in der Lok-Werkstatt Bozen, als er Zeuge der Wartung von Ale 840 – Triebwagen wurde (wie beim oberen Foto auf Seite 100). Fotos historischer Dampfloks auf der Pustertalbahn erfreuen das Herz des Dampflok-Fans, besonders auch das Gleis-Fünfeck in Innichen. Die Bild-Texte bieten zusätzliche Informationen über Ort und Datum der Aufnahmen sowie über die Zugverbindungen und die eingesetzten Fahrzeuge.
Die Dokumentation schließt mit aktuellen Fotos von heute (endlich!) durchgehenden Schnell- und Güterzügen mit modernen Mehrsystem – Triebfahrzeugen bei beiden Bahnlinien, länder-übergreifend: Für den Rezensenten das Symbol für eine (hoffentlich) dauerhafte politische, soziale, wirtschaftliche und verkehrstechnische Zusammenarbeit der Tiroler Teil-Länder.
Dies ist ein hervorragendes historisches Eisenbahn – Bilderbuch,- unbedingt zu empfehlen.
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Herausgeber: Walder-Verlag
Redaktion: Ingrid Walder und Achim Walder
Foto: Ingrid Walder und Achim Walder
Text: Ingrid Walder und freie Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen des Walder-Verlags
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