Wer das „alte“ Ruhrgebiet nicht kennt /nicht gesehen hat, den wird ein ungläubiges Staunen erfassen, wenn er diesen Bildband betrachtet (siehe allein die Karten auf den Seiten 6, 8 und 9!). Wer das „alte“ Revier kennt, dort aufgewachsen ist und dort gearbeitet hat, der wird möglicherweise von seinen Erinnerungen überwältigt sein – und ein wenig stolz sein, ein Teil dieser Region zu sein / gewesen zu sein und hier mit „geschafft“ zu haben. Ungläubiges Staunen und lebendige Erinnerungen wecken die Fotos von Gleisanlagen, Stahlwerken und Bergwerken, die riesige Flächen einnehmen und die eine pulsierende und nimmermüde Atmosphäre vermitteln. Der Rezensent, der das Ruhrrevier kennt, kann nur einfach sagen: „So isset gewesen, so hat et ausgesehen, genau dat war da los!“ Und wo ist das alles geblieben? Einfach weg – Struktur – gewandelt! Den Worten in der Einleitung kann man zustimmen: „Der Gedanke, dass der Kohlebergbau im Ruhrgebiet Geschichte ist, kommt einem beinahe … surreal vor“. Umso wichtiger ist dieser Bildband, der den sich - noch - Erinnernden, aber auch der jungen Generation als überdauerndes Beispiel dienen kann, wozu deutsches Knowhow und Arbeitskraft fähig waren.
Zum beeindruckenden Bildmaterial kommen in diesem Buch umfassende Informationen,- Zahlenmaterial zu Förderung und Produktion vor dem Hintergrund des unaufhaltsamen Aufstiegs des Ruhrgebietes zur Industrie-Region Nummer 1 in Europa, Fakten über wirtschaftliche Zusammenschlüsse und Zentren der Montanindustrie sowie, das Wichtigste in diesem Bildband, die tragende Rolle des Eisenbahnverkehrs, hier vor allem repräsentiert durch die Dampf - Traktion.
Das Inhaltsverzeichnis bietet 7 Kapitel, in denen es „zur Sache“ geht: Die vorangestellten Texte sind trotz ihrer Info-Dichte spannend zu lesen und zeichnen für jedermann verständlich umfassende Bilder von den Jahren, in denen Kohleförderung und Koks- und Stahl-Produktion Spitzenwerte erzielten, vom Roheisen-Transport, von der Bahn in den großen Städten Essen, Bochum und Dortmund, von den Stationierungen und der Unterhaltung der Dampfloks,- dies alles höchst eindrücklich von den dazu gehörenden treffenden Fotos in hervorragender Schwarz-Weiß-Qualität begleitet.
Das Querformat des Buches kommt dem präsentierten Fotomaterial bestens entgegen,- hier fahren Züge durchs ganzseitige Bild, erstrecken sich Werksanlagen (in sehr eindrucksvollen Luftaufnahmen) bis zum Horizont, Lokomotiven „arbeiten“ beim Kohle- und Rohstahl – Transport, werden gewartet und im BW ausgebessert,- es wird überall bewegt, ohne Unterbrechung wird „der Pott am Kochen gehalten“. Eine Reihe halbseitiger und viertelseitiger Fotos können in keiner Weise den Eindruck dieser Region beeinträchtigen,- alle Abbildungen zusammen zeichnen ein großes Ganzes. Dem Rezensenten gefällt immer wieder, dass durch Fotos von arbeitenden Menschen, Passanten, Fahrgästen, Straßenfahrzeugen, Fahrzeugen des ÖPNV, von alten und neuen Wohngebieten ein lebendiges Bild vor allem der 1950er, 60er und 70er Jahre gezeichnet wird. Einige Fotos vom Werksverkehr mit moderner Diesel-Traktion schlagen den Bogen zur Gegenwart. 15 Seiten mit Farbfotos sowie ein Quellenverzeichnis schließen dieses Buch ab.
Eine besondere Wertung verdienen die Texte zu den einzelnen Fotos: Hier beweist der Verfasser umfangreiche Kenntnisse über Aufnahme-Orte und -Daten, die eingesetzten Fahrzeuge (Beheimatung, Geschichte), die erbrachten Transportleistungen, die befahrenen Strecken sowie die Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte.
Dem Verfasser ist eine hervorragende Dokumentation des „alten“ Ruhrgebietes mit seinen Industrie-Anlagen, Verkehrswegen, seinen arbeitenden Menschen und des – leider – erfolgten Strukturwandels gelungen. Dieses Buch ist für Eisenbahnfans, Ruhrgebietsfans sowie historisch Interessierte jeden Alters zu empfehlen.
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Herausgeber: Walder-Verlag
Redaktion: Ingrid Walder und Achim Walder
Foto: Ingrid Walder und Achim Walder
Text: Ingrid Walder und freie Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen des Walder-Verlags
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