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Reiseführer Europa

(c) Ingrid und Achim Walder

Die Geschichte der Deutschen Reichsbahn
Eisenbahn Kurier DVD 8606

Am 1. April 1920 entstehen aus acht Länderbahnen die Deutschen Reichseisenbahnen. Ab 1921 wird der Name Deutsche Reichsbahn verwendet. Mit der Gründung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft im Jahre 1924 beginnt die Zeit der Staatsbahn.In historischen Bildern zeichnen wir die Geschichte nach. Die Übergangszeit, Länderbauarten, Einheitsloks, Schnellverkehr, die Kriegs- und Nachkriegszeit und die Trennung in Ost und West. Im Osten bleibt der Name Deutsche Reichsbahn wegen der Betriebsrechte in West Berlin erhalten. In vielen alten Szenen ab Ende der vierziger Jahre wird die Entwicklung in der ehemaligen DDR gezeigt, bis hin zur Vereinigung beider Bahnverwaltungen im Jahre 1994. Erleben Sie ein Kapitel deutscher Bahngeschichte mit ihren Höhen und Tiefen, geprägt von Kriegen, Holocaust, Zerstörungen, Teilung und Wiedervereinigung.

Rezension: Die Geschichte der Deutschen Reichsbahn
Eisenbahn Kurier DVD 8606

„Erleben Sie ein Kapitel deutscher Bahngeschichte mit ihren Höhen und Tiefen“ (Kassetten- Rückseite),- „erleben“ heißt: direkt dabei sein, involviert sein mit Hören, Sehen und Emotionen. Wenn man diese Produktion „erlebt“ hat, dann war man wirklich „dabei“, und dies um so mehr, wenn man noch Erinnerungen an die präsentierte Vergangenheit hat. Aber diese DVD ist keineswegs nur für „ältere Semester“ von Wert, gerade die junge Generation wird hier erfahren, dass das Heutige nicht ohne das Gestrige, nicht ohne die Leistungen und nicht ohne die Schaffenskraft von Ingenieuren und Bahnbediensteten vergangener Epochen hätte erreicht werden können.
Den Produzenten ist es hervorragend gelungen, historisches Film-Material zusammenzustellen und im Sinne eines roten Fadens zu ordnen. Dass neben dem Bahnverkehr an sich besonders der politische Aspekt in Wort und Bild im Vordergrund steht, hebt diese DVD hervor in den Rang einer dokumentarischen Zeitreise, die es wert ist, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden (Fernsehen): Die Abfahrt der Soldaten in den Ersten Weltkrieg, die Instrumentalisierung der Eisenbahn durch die Nationalsozialisten, die Transporte in Konzentrationslager, die sogenannten Kriegslokomotiven, das Chaos nach dem 2. Weltkrieg, die Vereinnahmung der Bahn durch die DDR-Propaganda, die Wiedervereinigung mit den positiven Folgen (Wiederaufnahme des West-Ost-Verkehrs, Freizügigkeit) sowie mit den negativen Folgen (Niedergang des Güterverkehrs,  Streckenverluste im Osten), die Gründung der Deutschen Bahn AG.
Wer sich in erster Linie auf die Eisenbahn konzentrieren möchte, wird nicht enttäuscht: Die Entwicklung von Einheitslokomotiven wird erklärt, verbunden mit eindrucksvollen Einblicken in die Werkshallen beim Bau dieser Fahrzeuge;  die Entwicklung des Schnellverkehrs in den 1930er Jahren (Henschel-Wegmann-Zug, Fliegender Hamburger, Baureihe 05) sowie der Verkehr mit diesen Zügen zwischen Berlin und Hamburg bzw. Dresden sind wahrlich optische „Leckerbissen“.
Der Filmteil über die Reichsbahn zu DDR-Zeiten beweist, mit welchem Einsatz und mit welcher Effizienz das Personal „die Räder am Rollen“ hielt; für Dampflok-Liebhaber faszinierend, wie es durch Rekonstruktionen gelang, die Dampftraktion bis in die 1980er Jahre hinein zu nutzen. Dem Rezensenten hat gefallen, dass hier aber auch ausführlich über gelungene Entwicklungen von E-Loks (u.a. BR 243 und BR 255) berichtet wird sowie  Bedeutung und Leistung  der DDR-Konstrukteure auf diesem Gebiet objektiv und positiv dargestellt werden.
Politisch wird der Film wieder beim Bericht über die Berliner S-Bahn: Für die nach 1990 Geborenen kaum vorstellbar die Verkehrsabläufe zwischen August 1961 und der Wiedervereinigung, verglichen mit dem heutigen Betrieb.
Ein Lob für die Filmemacher hinsichtlich der textlichen Fassung: Propaganda aus der NS- und der DDR-Zeit wird „aufgefangen“ durch sachliche Kommentare und Einordnung in die damalige Realität (bes. 2.Weltkrieg und Deportationen sowie DDR-Alltag). Die Bildqualität ist der Historie „geschuldet“, aber das Film-Material ist vom Betrachter einwandfrei aufzunehmen.

Dies ist eine gelungene und faszinierende, zum Teil auch nachdenklich machende Dokumentation, ein Beitrag zur politischen Bildung und  nicht nur für Eisenbahnfans äußerst empfehlenswert.

Peter Höhbusch

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Redaktion: Ingrid Walder und Achim Walder
Foto: Ingrid Walder und Achim Walder
Text: Ingrid Walder und freie Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen des Walder-Verlags
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