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Museumseisenbahn Höllentalbahn
Payerbach-Reichenau-Hirschwang

Die Lokalbahn

Die Geschichte der Lokalbahn ist eng mit der ersten Seilbahn Österreichs verknüpft: 1926 eröffnete die erste Seilschwebebahn Österreichs auf die Rax (Niederösterreich). Um die Besucher bequem von der Südbahn zur Talstation in Hirschwang zu bringen, baute man die seit 1917 bestehende Materialbahn zu einer vollwertigen Lokalbahn aus. Die Spurweite von 760 mm wurde beibehalten. Daher wird die Bahn im Volksmund bis heute liebevoll „Kleinbahn“ genannt. Für den Personenverkehr wurden von der Grazer Waggonfabrik zwei elektrische Triebwagen und vier Beiwagen beschafft. Der Güterverkehr wurde weiter mit umgebauten Grubenloks abgewickelt. In den folgenden Jahren gab es einen regen Personen- und Güterverkehr. Viele Wanderer und Skifahrer nützen diese bequeme Möglichkeit, um zur Raxseilbahn zu gelangen.

Eisenbahnmagazin Malerisch am Fuße der Rax gelegen – die Höllentalbahn. Triebwagen 1 und Beiwagen 11 erreichen in Kürze den Bahnhof Reichenau in Streckenmitte. © Manfred Wachutka

Einen bedauerlichen Einschnitt für die Lokalbahn bedeutete das Jahr 1963. Die Bahnanlagen wurden von der Eisenbahnbehörde trotz jahrzehntelangem klaglosen Betrieb als für den Personenverkehr nicht mehr ausreichend sicher erklärt. Da die Sanierung zu teuer war, wurde 1963 der Personenverkehr zur Gänze eingestellt. Der Güterverkehr wurde allerdings bis 1982 weitergeführt, anfangs noch mit den E-Loks, später nur noch mit Dieselloks. Der 1,2 km lange Streckenabschnitt zwischen der Fabrik in Hirschwang und der Endstelle bei der Talstation der Raxseilbahn wurde abgetragen.


Triebwagen 1 und Beiwagen 11 © ÖGLB


Die Museumseisenbahn

Schon 1977 gründeten einige Unermüdliche den Verein „Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen“, um diese Bahn am Leben zu erhalten. Der ehrenamtlich tätige Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, schmalspurige Lokalbahnen, insbesondere in Niederösterreich, betriebsfähig zu erhalten. Den Enthusiasten gelingt es schon 1979 wieder Personenzüge mit Dampf-, Diesel- und Elektroloks auf der Höllentalbahn zu führen.


Volle Züge und gute Laune bei einer Sonderfahrt mit dem wiedererrichteten Triebwagen 1 © ÖGLB

Nach der Verkehrseinstellung 1982 pachtete man die gesamte Anlage. Ab nun mussten die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter die Strecke und die Fahrzeuge selbst erhalten. Der Verein bringt schließlich die an die Zillertalbahn (Tirol) verkauften Originalwagen der Lokalbahn ins Tal zurück und saniert Jahr für Jahr die Strecke. Nach langwierigen und aufwendigen Vorarbeiten gelingt es schließlich mit Fördermitteln der Europäischen Union und des Landes NÖ einen der originalen Triebwagen aus 1926 auf Basis eines erhalten geblieben Beiwagens zu rekonstruieren. Der wiedererstandene Triebwagen 1 (TW 1) verkehrt seit 2005 während der Saison fahrplanmäßig und präsentiert sich bis heute wie fabriksneu. Dank dieser Förderung konnte auch das desolate Dach der Remise in Hirschwang saniert und wiederaufgebaut werden. Die Höllentalbahn verkehrt damit als älteste Museumseisenbahn Niederösterreichs seit 1979 Jahr für Jahr (ohne Unterbrechung) in der Sommersaison ganztägig an allen Sonn- und Feiertagen laut Fahrplan. Die Saison reicht von Juni bis Oktober.

Die Fahrt mit der Höllentalbahn

Die großen, weit zu öffnenden Fenster ermöglichen dem Besucher bei der Fahrt die einzigartige Berglandschaft hautnah zu erleben. Weitab von Hektik und Autoverkehr führt die Strecke am mächtigen Schwarzaviadukt der Semmeringbahn vorbei. Der Besucher genießt den Blick von der Artzberghöhe über Reichenau und kann anschließend bei der Fahrt durch die Thalhofschleife die gewaltigen Felsmassive bestaunen, die sich beiderseits der Eng türmen. Bei der Ortsdurchfahrt durch Reichenau wird das Flair des ehemaligen Nobelkurortes noch einmal lebendig. Prunkvolle Bauwerke aus kaiserlicher Zeit geben einen Einblick in die Hochblüte der damals beliebten Sommerfrische. Bei der Fahrt zum Endpunkt der Strecke beobachtet der Fahrgast das immer größer werdende, felsige Raxmassiv, um schlussendlich am Fuße der Rax in Hirschwang die Fahrt zu beenden. Hier kann die Remise bei einer der Führungen besichtigt werden. Die Raxseilbahn ist von hier aus zu Fuß in gut zehn Minuten zu erreichen. Die Lokalbahn Payerbach – Hirschwang bietet für den technisch interessierten Besucher besondere Gustostückerln: Der wieder errichtete Original-Triebwagen TW 1, die älteste betriebsfähige Schmalspur-Elektrolok Europas E 1 aus dem Jahre 1903 sowie die Lokalbahnbeiwagen BW 11 und BW 21. Auch das Umformerwerk in Reichenau, wo mittels großen, rotierenden Umformersätzen aus Drehstrom der Gleichstrom für die Fahrleitung gewonnen wird, ermöglicht einen weiteren Einblick in die frühere Lokalbahnzeit.

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Im Umformerwerk Reichenau wird mittels großen, rotierenden Umformersätzen aus Drehstrom der Gleichstrom für die Fahrleitung gewonnen. © ÖGLB


Die Fahrzeuge

Triebwagen „TW1“ - Vierachsiger Personentriebwagen
Im Jahre 1926 lieferte die „Grazer Waggonfabrik, vormals Johann Weitzer“ zwei elektrische Triebwagen an die Lokalbahn Payerbach-Hirschwang. Die elektrische Ausrüstung kam von den Siemens-Schuckert-Werken Wien. Mit diesen Fahrzeugen wurde ein Personenverkehr auf der ehemaligen Werksbahn für Arbeiter, Schüler und Ausflügler eingerichtet - verbindet diese Strecke doch Südbahn und Raxseilbahn auf ideale Weise. Nach der Einstellung des Personenverkehrs im Jahre 1963 wurden alle Fahrzeuge an die Zillertalbahn verkauft. Dort wurden sie abgewrackt und nur deren Untergestelle als Güterwagen für schwere Lasten eingesetzt. Dank einer Förderung durch die Europäische Union konnte 2000 ein Auftrag zum Umbau eines baugleichen Beiwagens in einen Triebwagen an die Firma Stern&Hafferl in Oberösterreich vergeben werden. 2003 kam der Triebwagen in die Werkstätte Hirschwang, wo noch einige Restarbeiten, unter anderem die schwierige elektrische Schaltung, zu erledigen waren. Im Herbst 2004 begannen die Probefahrten und Abnahmefahrten. Im Juni 2005 konnte der Triebwagen TW1 schließlich feierlich dem Personenverkehr übergeben werden.

E-Lok „E1“
Diese älteste betriebsfähige Schmalspur-Lokomotive Österreichs stammt aus 1903, also der Frühzeit der elektrischen Traktion. Ihr nachweislich erster Einsatz war als Stollenlok beim Bau des Karawankentunnels. 1926 wurde der Aufbau das erste Mal umgebaut, 1953 erfolgte ein weiterer Umbau zum heutigen Zustand, der der Lok den Spitznamen „fahrendes Gartenhaus“ einbrachte.

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Die Elektrolok E1, Baujahr 1903, ist bei Sonderzügen und Sonderveranstaltungen noch jedes Jahr im Einsatz mit Personenzügen. © ÖGLB

Diesellok „V2“
1943 wurde diese dreiachsige Diesellokomotive von der Rheinischen Maschinenfabrik Windhoff gebaut. Nach vielen Jahren Verschubtätigkeit als „Pengg 2“ in Thörl/Margaretenhütte ist sie seit 1997 im Höllental beheimatet und wird in der Regel für Güter- und Arbeitszüge eingesetzt.

Beiwagen „BW 21“
Gebaut 1909, fuhr der Beiwagen mit der Nr. 270 auf der Lokalbahn Wien-Baden. 2003 wurde der Wagen von der ÖGLB erworben und auf 760mm umgespurt sowie mit einer neuen Saugluftbremsanlage versehen.

Der Verein ÖGLB - Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen

Die ÖGLB ist ein nicht auf Gewinn gerichteter Verein mit ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Der Verein betreibt mit zwei Betriebsgesellschaften die 5 km lange „Höllentalbahn“ und die 17km lange „Bergstrecke-Ybbsthalbahn“, zwei reizvolle Lokalbahnen in Niederösterreich.

Höllentalbahn
HPG - Höllentalbahn-Projekt Ges.m.b.H.
Poschgasse 6, 1140 Wien
www.lokalbahnen.at/hoellentalbahn

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